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Wacholder – Baum


Wir kennen ihn hier in der Heide eigentlich eher als Strauch oder Busch, den Wacholder. Botaniker führen ihn als Nadelbaum mit dem lateinischen Namen „Juniperus communis“, er gehört zu der Familie der Zypressengewächse. Er kann bis zu 11 Meter hoch wachsen, es gibt ihn aber auch als Bodenkriecher - man kennt etwa 60 verschiedene Arten! Weltweit soll es das am stärksten vorkommende Nadelgehölz sein.

Der Wacholder ist zum Baum des Jahres 2002 gekürt worden. Das Kuratorium Baum des Jahres begründete seine Wahl damit, daß der Wacholder in Deutschland selten geworden sei, ihm gelte nun verstärkt Aufmerksamkeit. Für uns, die wir in der Lüneburger Heide zu Hause sind, gehört der „Wacholderbusch“ zur selbstverständlichen Umgebung, ja Heideflächen ohne Wacholder erscheinen uns geradezu als unnatürlich und kahl. In vielen unserer Gärten und in öffentlichen Anlagen steht der Wacholder: Er stellt nur geringe Ansprüche an den Boden, hält verschmutzte Luft und tiefe Minusgrade aus und hat immer sein irgendwie typisches, uns vertrautes Aussehen.

Wir alle kennen natürlich auch seine blauschwarzen Zapfenbeeren, die als Gewürz z.B. für Wildspeisen verwendet werden. Sie bilden die Aromagrundlage für Kräuterliköre wie Steinhäger oder Gin. In der Naturheilkunde wurden Wacholderbeeren („Fructus juniperi“) schon seit langer Zeit angewandt: Das in den Beeren enthaltene ätherische Öl reizt die Nieren und führt bei richtiger Dosierung zur Entwässerung. Allerdings ist die „Beerenkur“ aus Omas Zeiten kaum noch gebräuchlich. Heute werden in der Apotheke Kapseln mit definiertem Ölgehalt verlangt.

Die Suderburger Wacholder – Apotheke ist übrigens die einzige Apotheke Deutschlands mit diesem Namen! In Süddeutschland würde sie als Schnaps – Apotheke gelten, verbinden doch die meisten Leute dort mit dem Begriff Wacholder das klassische Thekengetränk. Zunächst lautete der Name der 1951 gegründeten Suderburger Apotheke übrigens „Apotheke und Drogenhandlung“, eine sicherlich nicht mehr ganz so zeitgemäße Firmenbezeichnung. Der heutige Name entstand 1963 mit dem Umzug in das Gebäude Bahnhofsstraße 47, als nämlich alle Wredes mithalfen, die vielen kleinen Wacholder aus dem Mietshausgarten heraus vor das neue Gebäude zu pflanzen. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, daß auch beim letzten Umzug zur Bahnhofstraße 48 ein Wacholder vor die Apotheke gepflanzt wurde, von der Familie bei einem kleinen festlichen Moment. Er scheint gut Wurzeln geschlagen zu haben – hoffen wir das auch für die Heidepflanzen daneben: Für uns Heidjer gehören nun einmal Wacholder und Heide zusammen.

von Dr. Jürgen Wrede