Pollen
Wenn die Pollen nicht wären...
Ja, das wünschen sich zur Zeit viele Allergiker – Menschen, deren Immunsystem derartig sensibel auf bestimmte „Antigene“, nämlich bestimmte Blütenpollen reagiert, daß sie krank sind. Dabei ist die Reaktion des menschlichen Immunsystems auf fremde Antigene eine äußerst erwünschte Erscheinung, denn sie hält uns viele Krankheitserreger fern. Meistens erfahren wir überhaupt nichts davon, wenn Antikörper (Immunglobuline) uns schützen: Ständig sind sie in unserem Blut- und Lymphesystem auf der Lauer, um Fremdes zu eliminieren. Das geschieht so ganz nebenbei, wenn unser Immunsystem fit ist.
Bei der Pollenallergie „überreagiert“ der Körper: Ein Antigen (z.B. Pollen einer ganz bestimmten Pflanze) läßt das Immunsystem hochempfindlich reagieren, weil aus irgendeinem Grund dieses Antigen als ein äußerst gefährlicher Stoff eingestuft wird: Es kommt zu Schleimhautschwellungen in Nase und Auge, zu Reizungen der Atemwege und sonstigen Krankheitserscheinungen. Bei „normalen“ Menschen wird das Antigen so ganz nebenbei erledigt: Eigentlich toll, wie so ein überaus winziges Teil die Abwehrreaktion des Körpers derartig herausfordern kann!
Pollenallergiker schauen sich den Blütenkalender an oder lassen sich die Pollenflugvorhersage anzeigen, z.B. im Internet unter www.dwd.de (Deutscher Wetterdienst). Für sie ist es eine große Hilfe im Alltag, Aussagen über die aktuelle Luftbelastung mit Pollen zu erhalten. Wie kommt man zu verläßlichen Aussagen über Pollenflug?
Pollen werden in „Fallen“ gefangen und ausgezählt. Mithilfe einer Vakuumpumpe saugt das Gerät durch eine Einsaugöffnung gleichmäßig Luft ein. Unmittelbar hinter dem Ansaugschlitz befindet sich eine Trommel, die über ein Uhrwerk angetrieben wird. Darüber ist ein mit Vaseline beschichteter Plastikstreifen gespannt. Die in der Ansaugluft enthaltenen Pollen werden direkt auf die Vaselinestreifen „geschossen“ und auf diese Weise dort fixiert. Anschließend wird der Plastikstreifen mikroskopisch ausgewertet. Jede Blütenart bildet charakteristische Pollenmuster, so daß man eindeutig auf die spezifische Pollenbelastung schließen kann. Über Art und Menge wird dann die Pollenflugvorhersage gewagt.
Für den Allegiker meist nur eine geringe Hilfe: Er weiß nun, was auf ihn zukommt...
von Dr. Jürgen Wrede
