Mücken
Zweiflügler – Hilfe!!!
In „Brehms Tierleben“ Ausgabe 1954 ist den Mücken in dem Kapitel Zweiflügler viel Platz eingeräumt – neben den Fliegen. Beide Insektenarten können uns ganz schön ärgern, wie wir immer wieder zu Sommerzeiten feststellen müssen. In diesem Jahr haben sich Mücken übermäßig stark vermehrt und die Hauptbelastung soll uns angeblich noch bevorstehen – nicht nur in den Überschwemmungsgebieten. Allgemein wird empfohlen, alle nur möglichen Wasseransammlungen auszutrocknen, die Regentonne, kleine Tümpel, Pfützen, die Vogeltränke. Dort nämlich legen Mücken ihre Eier ab, die sich im Laufe von Tagen und Wochen zu Larven, dann Puppen und schließlich zur neuen Mückengeneration entwickeln. Eine einzige weibliche Mücke – und nur sie sticht und saugt Blut – kann 250 bis 350 Eier legen und locker können in einem Liter Wasser, wenn es günstig und warm steht, 1000 Larven groß werden. Ungeheure Mückenschwärme sind bei entsprechenden Bedingungen dann keine Seltenheit : Mücken können zu einer Plage werden. Und sie können auch Krankheiten übertragen, wenn sie nach dem Einstich und vor dem Saugen ihre Speichelflüssigkeit in die Stichwunde absondern, um auf diese Weise ein Verklumpen des Blutes zu verhindern. Am bekanntesten ist die Malaria, eine durch Mücken übertragene Infektionskrankheit in den Tropen.
Natürlich versuchen wir uns zu schützen, und die Diskussion um die besten Mittel und Methoden stehen zur Zeit im Mittelpunkt. Ausrotten werden wir sie nicht können, wenngleich viel versucht wurde: In den Altrheinauen im Badischen hat man aus Hubschraubern Insektizide versprüht, dann versucht, mit einem dünnen Ölfilm auf der Oberfläche der Gewässer das Atmen der Larven zu unterbinden, schließlich auch Sexualfallen entwickelt, um den Generationswechsel zu beeinflussen – alles bisher ohne einschneidende Wirkung.
Im Haus hilft sicherlich am besten das abendliche Mückenjagen – moderne Zeitgenossen sollen dazu sogar den Staubsauger benutzt haben...Gazefenster, Moskitonetze über dem Bett und natürlich „Repellents“ (Stoffe, die abstoßend wirken, ohne zu schädigen) sind Mittel der Wahl – lassen Sie sich dazu gerne in Ihrer Apotheke beraten. Laut Stiftung Warentest gibt es in der Tat Unterschiede.
Aber nun noch einmal zurück zu meinem geliebten „Brehms Tierleben“. Diese eine Passage in der dreiseitigen Abhandlung über die Mücken in dem fast 50 Jahre alten Buch möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:
„Auch Mücken gehören in das Schöpfungsganze, wo sie ihre Stelle ausfüllen; auch sie haben eine Berechtigung an das Leben, wenngleich sie vielleicht dem „Herren der Schöpfung“ weniger Freude bereiten als ein Schmetterling oder die honigspendende Biene oder der harmlose Käfer. Daß einige unter ihnen sind, welche uns persönlich angreifen, unser Gesicht als Spielplatz ansehen, das Blut in unseren Adern als Leckerbissen halten, wer möchte es ihnen von ihrem Standpunkt aus verdenken?“
Schön: Viel Verständnis für die Natur, auch wenn sie „grausam“ sein kann...
von Dr. Jürgen Wrede
