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Haaranalyse


Daum – ziemlich haarig...

Es bleibt nichts verborgen. Alles was wir tun, hinterläßt Spuren, ob wir wollen oder nicht. Das Spurenlesen allerdings, das hat sich verändert: Konnte man früher noch hoffen, daß eigentlich nichts herauskommen dürfte, ist heute ein Vertuschen schier unmöglich – modernste Analysenmethoden machen`s möglich.

Zum Beispiel die Haaranalyse – in letzter Zeit überall im Gespräch Daum sei Dank. Ist es nicht phantastisch, wie bei den kontinuierlichen Zellteilungen in den Haarfolliken, die ja das Wachstum der Haare bedeuten, nicht nur die benötigten Bausteine wohlgeordnet zusammengefügt werden, sondern auch noch – sozusagen als Beigabe – alle zufällig sonst noch im Körper vorhandenen Nebenprodukte in Mikromengen eingelagert werden? Und ist es nicht auch bewundernswert, daß man so etwas heute aufspüren, analysieren kann - nach Art der Substanz, nach Menge und nach Zeit?

So etwa funktioniert das: Zunächst wird ein etwa Bleistift-dicker Strang von Haaren von der Kopfhaut entnommen. Achsel-, Scham- oder Brusthaar wären zwar genauso ergiebig, doch hier sind die Wachstumszyklen so verschieden, daß zeitliche Rückschlüsse viel schwieriger zu ziehen wären. Das Kopfhaar hingegen verhält sich besonders kooperativ, weil es relativ gleichmäßig um etwa einen Zentimeter pro Monat wächst.

Die Haarprobe wird dann zerkleinert (1 mm lange Stückchen, das entspricht etwa drei Tagen), pulverisiert und in eine Extraktionslösung gegeben. Der Gehalt wird dann per Gaschromatographie oder Massenspektrometrie bestimmt. Solche Analysemaschinen können kleinste Mengen von jeder denkbaren Substanz aufspüren, weil alle Substanzen – vergleichbar dem Fingerabdruck des Menschen – ganz typische Erkennungsmuster vorzeigen. Drogen wie Amphetamine, Cannabis, Kokain oder Heroin sind ziemlich leicht zu identifizieren, man kann sogar Häufigkeit und Ausmaß des Drogenkonsums gut ermitteln: Das Haar gleicht einer biologischen Zeituhr, die dazu noch Mengen aufzeigt. Selbst kostspielige Haarshampoos – in der Drogenszene heiß gehandelt – beeinflussen lediglich die Empfindlichkeit der Tests, nicht aber ihre Aussagekraft. Die Wissenschaft ist unbestechlich.

Spurenlesen - das heißt in der Wissenschaft heutzutage aber auch: DNA – Analyse auf der Suche nach der Identität von Menschen wie z.B. bei der Aufklärung von Verbrechen oder wie jetzt gerade unumgänglich bei den Menschen, die im Tunnel verunglückten.

von Dr. Jürgen Wrede